Maurizio Vanni
Kunstkritiker, Kurator und Museologe - Florenz, Lucca, Forlì
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Peter Demetz. Die Räume des Ich.

Im gegenwärtigen Augenblick der Zeitgeschichte, in dem nicht mehr die Fiktion in die Realität eindringt, wohl aber die Wahrheit die Welt der Fiktion erobert, stellen sich die Arbeiten von Peter Demetz als natürliche Metapher unseres Lebens dar.
Oft ist uns die Existenz alternativer Dimensionen bewusst, die Tatsache, dass wir ein Leben leben, das nur einen Teil dessen darstellt, was wir sind; aber in der Regel konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Belange und hindern unser Innerstes daran, wirklich offen gelegt zu werden. Viele der Werke von Demetz thematisieren die Existenz zweier oder mehrerer möglichen Situationen: Das Zusammenspiel von Realität und Erfindung, von Wahrheit und Illusion, von Alltag und Traum wird von plastischen Szenen unterstrichen, die sich durch Täuschung in die Realität einschleichen und umgekehrt.

Die menschliche Gestalt steht im Mittelpunkt der Untersuchung von Demetz:  Menschen, die in ihrem privaten Raum isoliert wirken, auch dort, wo sie in Blickkontakt zu anderen dargestellt werden. Der Bildhauer scheint dimensionale Grenzüberschreitungen herausfordern zu wollen. Stargates, die es uns ermöglichen, über das hinauszugehen, was wir üblicherweise als Realität bezeichnen, um in einen Zustand zu gelangen, wo das Individuum seine soziale Maske verliert und so voll und ganz sich selbst und die eigene innere Integrität findet.

Enge architektonisch gegliederte Räume dienen als Kulisse für mehr oder minder statische Figuren, die in Erwartung zu sein scheinen, dass in jedem Augenblick etwas geschehen könnte. Auch die junge Frau, die ihr wahres Aussehen in ihrem Spiegelbild sucht, scheint sich einfach des eigenen auswattierten Gefängnisses bewusst zu werden, des goldenen Käfigs, in dem sie zu leben beschlossen hat, um den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.

Einsamkeiten, Meditationen, inneres Licht und offene Labyrinthe, wo der Minotaurus vom vollständig in der Fiktion versunkenen Individuum dargestellt wird und wo der ersehnte Faden der Ariadne, oft mystifiziert im Dienste unserer mentalen Gesundheit, einfach in jener realen Dimension zu finden ist, die uns allzu oft erschreckt.
Die plastischen Kompositionen von Demetz entsprechen keinen Wohnräumen, sie wollen nicht die Geschichten bestimmter Figuren erzählen, sehr wohl aber zeigen sie sich als existentielle Welten, als Räume, in deren Inneren es möglich ist, unser Eigenbewusstsein wieder zu finden. Nur über dieses Bewusstsein werden wir zu den „Räumen des Ich“ gelangen.

Maurizio Vanni
Florenz 2007
 

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