Adam Budak
Kunstkritiker und Kurator
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Mirrored Stories

Die Arbeit von Peter Demetz
by Adam Budak

Das bildhauerische Oeuvre von Peter Demetz (1969) ist eine Weiterentwicklung der schon von Romana Prinoths fotografischer „Chirurgie” der Realität artikulierten Performativität und Manipulation des Raumes. Auch hier begegnet der Betrachter Interieurs der Psyche, Dioramen der Seele und des Denkens, die in mit einzigartiger geometrischer Präzision und Klarheit in helles Lindenholz geschnitzten asketischen und antimonumentalen Miniaturkammern in Szene gesetzt werden. Peter Demetz s kleine Theater menschlicher Angelegenheiten und privater Welten setzen eine wahre Akrobatik der Tiefe und der Fläche in Szene und sind meisterlich ausgeleuchtete Reliefs, die die Wahrnehmung des Betrachters mit ihrer räumlichen Entfaltung herausfordern und ihn mit ihrem Illusionismus wie auch fotografischen Abbild der Welt verführen. Außerhalb einer klar bestimmten Zeit und in einem anonymen und beinah abstrakten Raum sind das gespenstische Orte von hoher spiritueller Intensität, Bühnen für die ganz gewöhnlichen Posen, Situationen und Angelegenheiten, die auf den eigenen Beobachtungen des Künstlers, seinen eigenen Fotos und Modellen beruhen – die beiläufigen Gespräche der Freunde, eine intime Berührung, ein Blick im Vorübergehen, ein Augenblick tief in Gedanken versunken, Selbstreflexion, eine geheime Begegnung, das seltene Gefühl von Zughörigkeit, Trauer, Einsamkeit, Gemeinschaft, ein gemeinschaftlicher Geist; all das schwebt im Vakuum eines geisterhaften Raumes. Solcher Art ist Demetzs Sammlung von Gesten, intimen tagebuchartigen Schaukästen der Reflexion – Spiegelbilder menschlicher Emotionen und elementarer Leidenschaften, die mit einzigartiger Raffinesse in der Stille reduzierter architektonischer Räume präsentiert werden.

Der Künstler hebt das Verhältnis zwischen den Figuren und der Architektur hervor, und unterstreicht somit das räumliche Spiel mit Nähe und Distanz. Er erläutert seine Arbeit wie folgt:

Bei meiner Arbeit interessiere ich mich besonders für die Spannungen und Wirkungen, die von Figuren und Räumen in ihrem Zusammenspiel erzeuget werden. Die Menschen sind dabei wie Behältnisse, wie Gebäude in denen eigene individuelle Welten existieren. Sie stehen genauso im Bild, wie die architektonischen Elemente und bilden einen Raum. Die Szene lebt von der Distanz und von der Nähe der einzelnen Teile untereinander. Diese Räume sind so was wie Ausschnitte, sie geben der Zeit, dem Licht und dem Raum selbst eine Begrenzung. Es sind Inszenierungen. Es sind gestellte Szenen. Sie beschreiben keine Geschichte, Begebenheit oder eine Handlung, sondern leben von der Wechselwirkung der einzelnen Elemente.  

Im Spiel mit ihrer Dreidimensionalität, zwischen der Oberfläche und der vielschichtigen Struktur „pendelnd“ und ihr höchst komprimiertes räumliches Volumen herausstellend (sie sind oft nicht größer als ungefähr 50 cm x 60 cm), verwickeln die Skulpturen von Peter Demetz das Publikum in einen aktiven Betrachtungs- und Teilnahmeprozess und evozieren oft Irritation durch ihre optische Instabilität und veränderliche Gestalt, je nach Bewegung und Blickwinkel des Betrachters. Das Auge des Betrachters (und vielmehr seine ganze körperliche Präsenz ist eingeladen, in das altarartige Interieur einzutreten und das kontemplative Ambiente dieses „Lebensraumes“ zu erfahren.

Geschaffen für die Ausstellung MIRRORED STORIES im Rahmen der 3.Trienala Ladina ist Demetzs Skulptur eine Mise-en-scène einer gespaltenen  Persönlichkeit. „bühnenbild“, eine Arbeit, die sich durch den verdoppelten Ausstellungsraum erstreckt, rahmt eine einsame weibliche Figur, eine isolierte Schauspielerin auf der Bühne eines Theaters der zivilisatorischen Entfremdung, die in den notwendigen Prozess der Neubetrachtung der ethischen Paradigma der Menschheit versunken ist. In den Worten des Künstlers könnte sein Werk als „ein gedanklicher Spiegel [funktionieren], der die Situation des Betrachters reflektiert. Der Betrachter überdenkt (soweit er sich mit der Arbeit identifiziert) seine eigene Position, sein Verhalten, seine Wirkung in der Ausstellung. Der Betrachter ist in derselben Situation wie die Frau in der Skulptur”.

Adam Budak
Graz 2011

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